Warum ich WhatsApp deinstalliert habe

Schon seit einiger Zeit entwickelt sich der Datenschutz bei WhatsApp in eine ungute Richtung. Facebooks neueste Pläne für die App würden dem Konzern aber vollständigen Einblick in die Inhalte von Chats verschaffen.

Geschätzte Lesezeit für diesen Artikel: 3 Minuten

Vor einigen Wochen habe ich es getan: Ich habe WhatsApp deinstalliert. Das fiel mir nicht leicht. Freunde und Familienmitglieder, die ausschließlich WhatsApp nutzen, können mich jetzt nicht mehr so bequem erreichen wie vorher – und umgekehrt. Die Entscheidung war dennoch schnell getroffen, als ich von Facebooks neuesten Plänen für WhatsApp erfuhr.

Die meisten Nutzer wissen, dass WhatsApp alle Nachrichten „Ende-zu-Ende-verschlüsselt“. Das heißt, dass diese nur vom Absender selbst und vom Empfänger bzw. bei Gruppenchats den Empfängern gelesen werden können. Es wird also genau das erfüllt, was der gesunde Menschenverstand erwartet und das Grundgesetz in Artikel 10 (Fernmeldegeheimnis) garantiert. Nachrichten können zwar weiterhin abgefangen werden. Das nützt potentiellen Angreifern aber nichts, weil sie keinen Klartext, sondern Datensalat zu sehen bekommen. Nur auf den Endgeräten der Chat-Teilnehmer sind die Schlüssel gespeichert, die man für die Entschlüsselung braucht.

Man muss Facebook zugute halten, dass die Einführung der Verschlüsselung von WhatsApp-Chats (2016) mit einem Schlag für ca. eine Milliarde Nutzer ein sehr gutes Datenschutzniveau brachte – zumindest, was die Inhalte der Nachrichten anging (erfahre mehr).

Die Verschlüsselung aller Inhalte passt auf Dauer aber überhaupt nicht zu einem Konzern, der seine Produkte mit Werbung finanziert. Er erfährt auf diese Weise nämlich nicht, ob sich ein Nutzer gerade für Mountainbikes oder für Treppenlifte interessiert (oder für beides). So kann er keine auf den Nutzer zugeschnittene Werbung einblenden und muss gemeinsam mit seinem Kunden auf Zufallstreffer hoffen. (Ja, Facebook plant auch in WhatsApp Werbeeinblendungen, erfahre mehr.)

Aus der Sicht von Facebook lautete das Problem also: Wie können wir die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung beibehalten (gut für unser Image!) und doch auf die Inhalte der Chats zugreifen (gut für unsere Werbeeinnahmen!)? Nun, die Lösung ist naheliegend: Wenn man die Inhalte zwischen den Endgeräten nicht auswerten kann, dann muss man das eben direkt auf den Endgeräten tun.

Gesagt, getan. Die dafür notwendige technische Lösung wurde bereits entwickelt und kürzlich auf einer Konferenz vorgestellt. Es handelt sich um ein KI-Modul, das gemeinsam mit der App auf den Geräten der Nutzer installiert werden soll (erfahre mehr). Dieses Modul wird die Inhalte prüfen, bevor diese verschlüsselt werden und das Gerät verlassen.

Begründet werden diese Pläne natürlich mit edlen Motiven (Verhinderung der Verbreitung von hate speech etc.). Aber machen wir uns nichts vor: Das Scannen von Nachrichten auf den Geräten würde in erster Linie den unbändigen Datenhunger von Facebook bedienen. Und ganz unabhängig von den Motiven wäre es ein nie dagewesener Eingriff in die Privatsphäre von aktuell ca. 1,2 Milliarden WhatsApp-Nutzern:

Putting this all together, this is not some imaginary science fiction dystopia of the faraway future. It is the very real Orwellian world Facebook is bringing to us today. The underlying technologies are all here and as the company’s F8 presentation vividly illustrates, it is investing heavily and making rapid strides towards this future. (Kalev Leetaru)

Ich selbst nutze als Alternative Signal, eine ebenfalls kostenlose App, die genauso leicht zu installieren und zu nutzen ist wie WhatsApp, aber höchsten Datenschutz bietet. Die Nutzerzahl der App wächst kontinuierlich. Sie ist für alle Plattformen in den üblichen App-Stores oder hier zu finden.

Eine weitere Alternative zu WhatsApp, die ich parallel zu Signal nutze, ist die App Riot (bzw. RiotX). Sie ist noch nicht lange auf dem Markt und hat daher noch nicht so viele Nutzer wie Signal, erfreut sich aber ebenfalls zunehmender Beliebtheit. Mehr über die besonderen Vorteile von Riot erfährst Du hier.

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Warum ich WhatsApp deinstalliert habe by Jochen Plikat is licensed under a CC BY-NC-ND 4.0 license
Bildnachweis: Reisstroh Besen by MabelAmber is licensed under the Pixabay License

2 Gedanken zu “Warum ich WhatsApp deinstalliert habe

  1. Lieber Jochen, ein großes „Danke“ für den guten Artikel/Beitrag. Ich teile deine Ansichten und Bedenken als IT’ler. Es war abzusehen, dass Facebook eine „Hintertür“ bei WhatsApp einbauen muss, um trotz der E2EE an die Nachrichten ranzukommen, um sie für die Werbung analysieren und verarbeiten zu können. Mit der zukünftigen Integration des KI-Moduls wird die E2EE aus meiner Sicht überflüssig. Mal ganz salopp ausgedrückt: Wenn vor dem verschlüsselten Transportweg meine Nachricht abgegriffen werden, dann kann ich auf die Verschlüsselung schei…. Das ist ein absoluter Widerspruch gegenüber der E2EE-Philosophie.

    Ich habe es genau wie du gemacht. Ich bin von WhatsApp ohne Umwege zu Signal gewechselt und bin sehr zufrieden damit. Aus meiner Sicht ist Signal mittlerweile auch schon sehr komfortabel geworden. Die Signal-Entwickler (Open Whisper Systems) reagieren auch immer sehr flott auf Sicherheitslücken und bringen auch neue Features sehr schnell raus – deutlich schneller als WhatsApp/Facebook.

    Bisher konnte ich schon einige Leute aus dem Freundeskreis von Signal überzeugen, indem ich sie über die Nachteile von WhatsApp aufgeklärt haben – aber es sind wirklich nur „einige“ Leute. Die große Wechselstimmung bleibt leider aus.

    Die Vergangenheit hat eine Sache ganz deutlich gemacht: Selbst nach großen Datenskandalen sind die Leute nicht besonders Wechselwillig bzw. ändern ihr Nutzungsverhalten. Weder hat der NSA-Skandal dafür gesorgt, noch der FB-Skandal rund um Cambridge-Analytica, Ich bezweifel, dass sich das großartig ändern wird wenn einige Türen bei WhatsApp geöffnet werden für die Datenabgreifung.

    Und am Ende des Tages muss man leider sagen: Ein Messenger ist nur dann sinnvoll und hilfreich, wenn ich damit auch die Leute erreichen kann – sonst kann ich mir den Messenger auch sparen.

    Der Signal Messenger ist ein toller Messenger. Ich hoffe, dass ich mit meiner Einschätzung der Nutzer falsch liegen werde, und mehr Menschen ein Bewusstsein für Datensicherheit und Datenschutz entwickeln.

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    1. Danke für Deinen Kommentar, Dennis, und ja, das hoffe ich auch! Ich denke man muss einfach den ersten Schritt machen, meiner Erfahrung nach ziehen viele dann nach, besonders wenn man so gute Gründe hat wie in diesem Fall und es zudem eine so gute Alternative gibt. Ein weiteres Problem ist, dass Firmen den erweiterten Zugriff auf Nutzerdaten systematisch verschleiern, mit Formulierungen wie „Verbesserung des Nutzererlebnisses“ etc. In jedem Fall macht es Spaß, Artikel wie diesen über fb zu verbreiten 🙂

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