Wie man ziemlich gute Notizen macht

Notizen zu machen gehört zum Kerngeschäft von Wissensarbeitern. Was ist die beste Methode?

Geschätzte Lesezeit für diesen Artikel: 4 Minuten

Viele Wissensarbeiter kritzeln in Vorträgen oder Besprechungen in kaum leserlicher Handschrift Seite um Seite voll. Ich selbst habe lange so gearbeitet – mit, nun ja, mäßigem Erfolg. Meist stapelten sich die Zettel in irgendeiner Ablage, ohne dass ich sie systematisch aufarbeitete. Da mir das Problem sehr wohl bewusst war, versuchte ich, mir die zentralen Informationen gleich zu merken, oder ich schrieb sie auf separaten Zetteln auf. Dort stand dann alles, was wirklich wichtig war. Aber auch manche dieser Zettel gingen in irgendeinem Stapel unter oder wurden in einer Mappe vergessen. Nicht die beste Methode.

Später experimentierte ich mit verschiedenen digitalen Lösungen. Digital lässt sich in der gleichen Zeit viel mehr schreiben als von Hand, zumindest, wenn man das 10-Finger-System beherrscht (erfahre mehr) – was konnte also falsch daran sein?

Mir wurde aber bald klar, dass das keine gute Idee war. Wenn man einen Laptop benutzt, um bei jeder Gelegenheit möglichst viel mitzuschreiben, entstehen dadurch nicht bessere, sondern in erster Linie umfangreichere Notizen. Inzwischen ist sogar wissenschaftlich belegt, dass digitale Notizen zu einer geringeren Behaltensleistung führen als handschriftliche Notizen (erfahre mehr).

Zudem stört meiner Erfahrung nach das permanente Starren auf Bildschirme die Kommunikation in einem Seminar, einem Vortrag oder einem Meeting enorm. Blickkontakt wird so für alle Beteiligten fast unmöglich. Und nicht zuletzt stecken die heutigen vernetzten Geräte voller Ablenkungen.

Handschriftliche Notizen auf Papier scheinen also in mehrerlei Hinsicht die bessere Option zu sein. Wie kann man sie aber so anlegen, dass sie…

  • auf das Wesentliche reduziert
  • übersichtlich

und doch

  • wieder auffindbar

sind?

Die aus meiner Sicht beste Möglichkeit hierfür ist die Cornell-Methode. Sie wurde in den 1940er-Jahren von Walter Pauk entwickelt, der an der amerikanischen Cornell-Universität unterrichtete – daher ihr Name.

Für die Notizen verwendet man gewöhnliche weiße DIN A4-Blätter, die man mit zwei Linien in drei Felder einteilt:

  • ganz oben notiert man die Begriffe „Anlass“, „Thema“ und „Datum“ und lässt jeweils ein wenig Platz
  • ca. 6 cm vom linken Rand zieht man eine senkrechte Linie
  • ca. 5 cm vom unteren Rand zieht man eine waagerechte Linie

Es ist natürlich sinnvoll, sich eine Vorlage zu erstellen und diese in ausreichender Zahl zu vervielfältigen. Man kann die Vorlage selbst erstellen oder eines der zahlreichen kostenlosen Beispiele verwenden, die man herunterladen und ggf. noch an die eigenen Bedürfnisse anpassen kann.

In einer Besprechung oder einem Vortrag geht man nur wie folgt vor:

  • In die linke Spalte schreibt man die wichtigsten Themen, über die gesprochen wird, sozusagen die „Kapitel“ einer Veranstaltung.
  • In die rechte, breite Spalte schreibt man die wichtigsten Gedanken zu jedem Kapitel. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, hier stark zu reduzieren, aber durchaus auch einmal ganze Sätze, Fragen oder Zitate aufzuschreiben. Auch kleine Skizzen finden hier Platz.
  • Was man schließlich in den unteren Rand schreibt, hängt stark vom Typ der Veranstaltung ab. Handelt es sich z. B. um einen Vortrag, ist es sinnvoll, hier eine Art „Fazit“, aber auch die persönliche Reflexion, offene Fragen etc. zu notieren. Aus Besprechungen ergeben sich dagegen oft konkrete Aufgaben, die man im Anschluss erledigen möchte oder muss. Auch sie sollte man im unteren Randbereich notieren.

Schließlich steht noch die Nachbereitung an. Bei mir sind das zwei Schritte, die ich normalerweise gleich im Anschluss erledige:

  • Ich tippe die Aufgaben, die am unteren Rand stehen, in meine digitale To-Do-Liste (erfahre mehr).
  • Ich scanne die Notizen und archiviere sie. Hierfür benutze ich die Scan-App „Scanbot“ für Android, mit der sich die Scans gleich in eine mehrseitige PDF umwandeln und über eine Upload-Funktion in einen Cloud-Speicher übertragen lassen (z. B. Nextcloud). Aber natürlich ist jede andere App, die diese drei Funktionen unterstützt – Umwandlung in PDF, Zusammenfügen mehrerer Seiten zu einer Datei und Upload –, ebenso gut geeignet. Vom Cloud-Speicher können die Notizen automatisch auf einen Rechner übertragen und später leicht wiedergefunden werden. Hierfür kann man der Datei manuell einen aussagekräftigen Namen geben. Oft ist aber auch der Zeitstempel ausreichend, den viele Scan-Apps automatisch in den Dateinamen einfügen.

Die Cornell-Methode lässt sich inzwischen auch auf einem Tablet mit Stift oder einem E-Ink-Gerät umsetzen. Die glatte Oberfläche von Tablets ist allerdings sehr gewöhnungsbedürftig. E-Ink-Geräte (z. B. von reMarkable) bieten dagegen ein Schreibgefühl, das dem von Schreiben auf Papier sehr ähnelt. Ich habe zeitweise in Erwägung gezogen, mir ein E-Ink-Gerät anzuschaffen, mich am Ende aber doch für eine „Low-Tech“-Lösung entschieden: das klassische Schreiben auf Papier. Dabei nutze ich inzwischen so oft es geht anstelle eines Kugelschreibers wieder einen Füller. Das fühlt sich nicht nur besser an, sondern führt zumindest bei mir auch zu deutlich besser lesbaren Ergebnissen.

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Wie man ziemlich gute Notizen macht by Jochen Plikat is licensed under a CC BY-NC-ND 4.0 license
Bildnachweis: Background Black Coffee by David Schwarzenberg is licensed under the Pixabay License

Ein Gedanke zu “Wie man ziemlich gute Notizen macht

  1. Auch bei mit ein Dauerthema. Danke für die Denkanstöße und Überlegungen.
    Probiere mich gerade mit der Agenda App. Auf den ersten Metern sehr zufrieden aber hat natürlich nichts mit Stiften oder E-Ink zu tun.

    Gruß

    Gefällt mir

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