Zur Zukunft von SMS, WhatsApp & Co. (3)

Zu den beliebtesten Funktionen von Mobiltelefonen gehören das Senden und Empfangen von Kurznachrichten. Wie sieht ihre Zukunft aus? (Teil 3)

Geschätzte Lesezeit für diesen Artikel: 4 Minuten

Die Zahl der täglich verschickten SMS-Nachrichten ist in den vergangenen 10 Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Gleichzeitig ist die Zahl der Nachrichten explodiert, die über WhatsApp, den Facebook Messenger und vergleichbare Dienste verschickt wurden. Dennoch bleibt uns die SMS vermutlich noch lange erhalten, weil sie universell kompatibel ist und zwischen zwei beliebigen Mobiltelefonen dieser Welt verschickt werden kann (vgl. Teil 1).

Inzwischen konkurrieren bekanntlich zahlreiche Messenger-Apps um die Gunst der Nutzer. Sie verfügen im Vergleich zur SMS über viele Vorteile und konnten ihr deswegen in kurzer Zeit den Rang ablaufen. Sie haben jedoch gleichzeitig einen großen Nachteil: Sie sperren die Nutzer ohne Ausnahme in einen „walled garden“ oder ein „Silo“ ein (vgl. Teil 2). Das Problem daran ist unter anderem, dass zwischen diesen „Gärten“ nicht kommuniziert werden kann und so ein Lock-in-Effekt entsteht – und zwar dann, wenn man in einem der Gärten so viele Kontakte hat, dass man ihn nicht mehr verlassen möchte. Ab diesem Zeitpunkt kann der jeweilige „Gärtner“ nach Belieben die Regeln ändern. Was werden die Nutzer denn tun, wenn sie plötzlich, sagen wir, von allen Seiten mit Werbebotschaften bombardiert werden? Sie werden wohl kaum in Scharen den Garten verlassen, in dem alle ihre Freunde sind.

Die Nutzer haben es in der Vergangenheit bereitwillig zugelassen, dass man sie in diese Gärten einsperrte. Das hätte nicht sein müssen – es gab schon lange vor der Erfindung von WhatsApp & Co. Anwendungen, die dies nicht taten, denn sie basierten auf einem offenen Standard und dezentralen Servern. Gemeint ist XMPP, ein Standard, für den es bis heute eine Vielzahl an kompatiblen Anwendungen gibt (erfahre mehr). Der Preis für die Offenheit dieses Standards war jedoch schon immer, dass er erhöhte Anforderungen an die Nutzer stellte. Daher konnten sich XMPP und die passenden Anwendungen nie auf dem Massenmarkt durchsetzen. In diesem Licht ist es dann doch verständlich, dass WhatsApp & Co. das Rennen machten.

Inzwischen gibt es aber eine Alternative, die wie XMPP dezentral und offen aufgebaut ist, aber darüber hinaus einige entscheidende Vorteile aufweist. Darüber mehr im nächsten Teil.

→ Weiter zu Teil 4

[Update 8.1.2021: Ausführungen zu DeltaChat gelöscht.]

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Zur Zukunft von SMS, WhatsApp & Co. (3) by Jochen Plikat is licensed under a CC BY-NC-ND 4.0 license
Bildnachweis: Handy Chat by rawpixel is licensed under the Pixabay License

8 Gedanken zu “Zur Zukunft von SMS, WhatsApp & Co. (3)

  1. Sehr schön dargestellt! Ist das ein offizieller Begriff „Lock-Effekt“? Wir sehen hier, dass im Grunde nicht die Technik entscheidend ist sondern die Gewohnheit der Nutzer. Das Phänomen ist so alt wie IT! Interessanterweise wird als Ausrede für einen Wechsel sogar argumentiert, das (Whatsapp) sei ja der (funktional) bessere Messenger!

    Grüße aus Potsdam!

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  2. Danke für den Beitrag.
    Ich suche schon länger einen Messenger der alle meine anderen ersetzt.

    Ich habe vor kurzem Delta Chat testweise installiert nachdem ich deinen Beitrag gelesen hatte.

    Ich bin begeistert.
    Signal konnte ich schon deinstallieren da ich die beiden Kontakte dort auch von Delta Chat überzeugen konnte.

    Die anderen müssen nun mit E-Mail vorlieb nehmen bis sie es auch haben 😉

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    1. Danke, das freut mich! Signal werde ich auch weiterhin nutzen, z. B. kann man über Signal verschlüsselt telefonieren, und auch sonst ist Signal in puncto Datenschutz extrem gut. Von WhatsApp will ich mich demnächst lösen, voraussichtlich wenn es dort Werbeeinblendungen gibt. Aber ich finde die Idee bei Delta Chat wirklich brillant – die erste wirklich offene Chat-App, die die Nutzer nicht in ein Silo einsperrt.

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