Wie viel Energie verbrauchen Bitcoin & Co.?

Spätestens seit dem letzten Bitcoin-Hype im Winter 2017/2018 sind Kryptowährungen in aller Munde. Auch für Wissensarbeiter werden sie zunehmend relevant, beispielsweise für den Empfang von Spenden. Wie steht es aber um den Energieverbrauch der wichtigsten Kryptowährungen?

Geschätzte Lesezeit für diesen Artikel: 4 Minuten

Vor ziemlich genau 10 Jahren – am 3. Januar 2009 – wurde der erste Block der Bitcoin-Blockchain gebildet. In den folgenden Jahren wurden Bitcoin und andere Kryptowährungen zunächst nur von wenigen ernst genommen – die  meisten belächelten sie als „nerd money“. Inzwischen zeichnet sich jedoch ab, dass die Blockchain-Technologie und die bekannteste Anwendung dieser Technologie – digitales Geld – dauerhaft bleiben werden.

Kryptowährungen haben das Potential, ganze Lebensbereiche zu revolutionieren, z. B. die Art und Weise, wie wir internationale Geldtransfers tätigen. Darüber hinaus könnten sie in manchen Gegenden der Welt sogar einen tiefgreifenden sozialen Wandel in Gang setzen. So haben aktuell mehrere Milliarden Menschen keinen Zugang zu einem Bankkonto. Gleichzeitig verfügen viele von ihnen schon heute über alles, was man braucht, um digitale Währungen zu empfangen oder zu senden: ein Smartphone. Kryptowährungen könnten daher ein Weg sein, um erheblichen Teilen der Weltbevölkerung zum ersten Mal in der Geschichte den Zugang zu einem bargeldlosen Zahlungssystem zu ermöglichen.

Im Zusammenhang mit der bekanntesten Kryptowährung, Bitcoin, wird jedoch häufig kritisiert, dass deren Netzwerk zu viel Energie verschlinge – Bitcoin habe als Zahlungsmittel im Alltag daher keine Zukunft. In der Tat ist der Energieverbrauch von Bitcoin extrem hoch, und er wird es auch bleiben, denn er ist eng mit dem Sicherheitskonzept der Kryptowährung verknüpft.

Der hohe Energieverbrauch des Bitcoin-Netzwerks entsteht dadurch, dass ein Bitcoin-Block nur durch die Lösung einer schwierigen mathematischen Aufgabe gebildet werden kann. Verschiedene „Miner“ konkurrieren daher seit der Erfindung von Bitcoin darum, die jeweils aktuellste Aufgabe als erster zu lösen. Der Miner, dem das gelingt, schließt den Block ab. Er erhält dafür eine bestimmte Anzahl an Bitcoins als Belohnung. Anschließend beginnt das nächste Wettrennen.

Da mit der Wertsteigerung des Bitcoin das Minen zunehmend attraktiv wurde, setzte ein Wettrüsten in Bezug auf die dabei eingesetzte Rechenleistung ein. Parallel dazu wurde die Schwierigkeit der zu lösenden Aufgaben immer weiter erhöht, so dass immer mehr Rechenleistung – und dadurch immer mehr Energie – eingesetzt werden musste, um einen Bitcoin-Block abzuschließen.

Andere Kryptowährungen basieren auf anderen Verfahren, von denen manche einen wesentlich geringeren Energieeinsatz erfordern. Wie eklatant dieser Unterschied ist, zeigt nun eine vor einem Jahr veröffentlichte Studie von schwedischen und amerikanischen Wissenschaftlern. Sie verglichen den Energieverbrauch der drei Kryptowährungen, die aktuell die größten Marktanteile auf sich vereinigen: Bitcoin (BTC), Ethereum (ETH) und Ripple (XRP). Zum Vergleich zogen sie außerdem den Energieverbrauch des VISA-Netzwerks heran.

Der Verbrauch der Netzwerke wird in der Studie in TWh (Terawattstunden) angegeben. Deutschland verbraucht ca. 500 TWh pro Jahr, Länder wie Schottland oder Nigeria ca. 25 TWh pro Jahr. Eine Terawattstunde entspricht einer Milliarde Kilowattstunden (kWh). Zum Vergleich: 1 kWh ist so viel Energie, dass man sich damit eine Stunde lang mit einem 1000-Watt-Föhn die Haare trocknen könnte.

Hier nun der Energieverbrauch der verschiedenen Netzwerke pro Jahr:

  • Bitcoin (BTC): 26,05 TWh
  • Ethereum (ETH): 9,68 TWh
  • VISA: 0,5406 TWh
  • Ripple (XRP): 0,0005361 TWh

Interessant ist auch der Energieverbrauch, der durchschnittlich für eine Transaktion aufgewendet werden muss:

  • Bitcoin (BTC): 118 kWh
  • Ethereum (ETH): 20,294 kWh
  • VISA: 0,00649 kWh
  • Ripple (XRP): 0,0000113 kWh

Wie man sieht, könnten die Unterschiede zwischen den verschiedenen Netzwerken kaum eklatanter ausfallen. Der Energieverbrauch des Bitcoin-Netzwerks ist fast 50.000 Mal höher als der des Ripple-Netzwerks. Er entspricht dem Energieverbrauch eines Staates wie Nigeria.

Auch in Bezug auf die einzelnen Transaktionen sind die Zahlen verblüffend. Mit der Energie, die im Schnitt für eine einzige Bitcoin-Transaktion notwendig ist, könnte man sich 5 Tage und Nächte lang ununterbrochen die Haare föhnen. Dagegen könnte man mit der Energie, die für eine Ripple-Transaktion benötigt wird, den selben Föhn gerade einmal einen halben Wimpernschlag lang betreiben: 4/100 Sekunden.

Die Zukunft der Kryptowährungen wird von vielen Faktoren abhängen. Der Energieverbrauch der Netzwerke, auf denen sie basieren, wird ohne Zweifel einer von ihnen sein.

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Wie viel Energie verbrauchen Bitcoin & Co.? by Jochen Plikat is licensed under a CC BY-NC-ND 4.0 license
Bildnachweis: Föhnen Mädchen by RyanMcGuire is licensed under the CC0 Creative Commons License

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