Was wir von Hillary Clinton über sichere E-Mails lernen können

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In wenigen Tagen werden wir wissen, wer im Januar 2017 ins Weiße Haus einziehen wird. Falls der neue Hausherr dann Donald Trump heißt, könnte das auch an Hillary Clintons nachlässigem Umgang mit E-Mails liegen.

Geschätzte Lesezeit für diesen Artikel: 4 Minuten

Man sollte meinen, dass Politikerinnen und Politiker die Sprengkraft geleakter E-Mails inzwischen kennen und entsprechend vorsichtig mit diesem Medium umgehen. Aber anscheinend halten viele es weiterhin für ausreichend, ihre Nachrichten mit einem schwachen Passwort zu schützen. Von einer solchen Nachlässigkeit ist aktuell bekanntlich die amerikanische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton betroffen. Sie hat in ihrer Zeit als US-Außenministerin anstelle eines offiziellen, speziell gesicherten E-Mail-Servers einen privaten Server der Familie genutzt. Zudem wurden Anfang 2016 tausende E-Mails gehackt, und zwar nicht durch einen Angriff auf ihren Account, sondern auf die privaten Accounts verschiedener Mitarbeiter. Es zeigte sich, dass diese noch schlechter als ihr eigener Account gesichert waren. Ja, man vergisst leicht, dass es sich mit sicherer Kommunikation ähnlich verhält wie mit dem Streiten: Es gehören immer zwei dazu (erfahre mehr).

Clinton ist sowohl durch die Nutzung des privaten Accounts als auch durch die gehackten E-Mails im Wahlkampf in massive Schwierigkeiten geraten. Dokumente, die sie über den privaten Server verschickte, wurden nachträglich als geheim eingestuft. Hierdurch wurde ihre Missachtung geltender Regeln strafrechtlich relevant, und das FBI leitete (später eingestellte, dann noch einmal aufgenommene und jetzt wieder eingestellte) Ermittlungen ein. Auf der Zielgeraden des nun endenden Wahlkampfes wurden diese Ermittlungen noch einmal hoch aktuell, denn sie waren für Clintons Widersacher Donald Trump eine Steilvorlage. Er benutzte sie, um Clinton in seinen Reden immer und immer wieder als durch und durch verruchte Kriminelle darzustellen. So konnte er auf der Zielgeraden in Umfragen noch einmal deutlich aufholen.

Wir sind also auf der sicheren Seite, wenn wir annehmen, dass beim Thema E-Mail-Sicherheit im Lager Clinton noch Luft nach oben ist. Viel Luft, um genau zu sein. Die Enthüllungsplattform „The Intercept_“ hat eine Übersicht über die Fehler, die gemacht wurden, zusammengestellt, und daraus Tipps für Clintons Kommunikationsexperten (und für uns alle) abgeleitet. Verbunden mit dem dringenden Rat, erst einmal alles stehen und liegen zu lassen und diese einfachen, aber hoch wirksamen Maßnahmen lieber heute als morgen zu ergreifen.

Für Euch als Leserinnen und Leser dieses Blogs ist das natürlich kalter Kaffee. (Ich weiß, ich weiß. Keine Ursache.) Ihr könnt Euch also zurücklehnen und Euch mit mir gemeinsam über die Nachlässigkeit im Team Clinton wundern. Überprüft vorher aber noch einmal, ob Ihr wirklich an alles gedacht habt. Auch wenn Ihr vermutlich keine Staatsgeheimnisse zu hüten habt: Es geht um Eure Privatsphäre – und um die Eurer Kontakte.

Hier eine Übersicht über alle Tipps:

  1. nutze ein starkes Passwort (erfahre mehr)
  2. nutze kein schwaches Passwort (s. o.  🙂 )
  3. nutze für jeden Dienst ein anderes Passwort (erfahre mehr)
  4. nutze die 2-Faktor-Authentifizierung (erfahre mehr)
  5. nutze E-Mail-Verschlüsselung (erfahre mehr)
  6. nutze einen Krypto-Messenger (erfahre mehr)
  7. nutze Dein Gehirn, um Dich vor Phishing-Angriffen zu schützen (erfahre mehr)

2016 könnte als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem die Missachtung dieser einfachen Regeln die amerikanischen Präsidentschaftswahlen entscheidend beeinflusste.

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Was wir von Hillary Clinton über sichere E-Mails lernen können by Jochen Plikat is licensed under CC BY-NC-ND 4.0
Bildnachweis: Hillary Clinton speaking at an event in Manchester, New Hampshire by Gage Skidmore is licensed under a Attribution-ShareAlike 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0) license

2 Gedanken zu “Was wir von Hillary Clinton über sichere E-Mails lernen können

  1. Wie man durch gebetsmühlenhafte Wiederholung von Verleumdungen Leute diskreditiert, ist das einzige, was ich bei Trump gelernt habe. Unter dem „Bild“ Zeitungsniveau zu bleiben, bringt Erfolg. Immer schön mit reichlich Dreck schmeissen, es bleibt auf jeden Fall was am Ziel hängen.

    Außerdem wird mein Argument untermauert, dass „Sicherheit“ bei Kommunikation kein Selbstzweck ist und nur funktioniert, wenn es einigermaßen leicht auch für ungefähr 120 Jahre alte Laien nutzbar ist.

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    1. Vielen Dank für Deinen Kommentar.

      Du schreibst erstens: „Wie man durch gebetsmühlenhafte Wiederholung von Verleumdungen Leute diskreditiert, ist das einzige, was ich bei Trump gelernt habe.“ Ich stimme Dir zu 100% zu – der amerikanische Wahlkampf war eine üble Schlammschlacht. Aber wo genau ist der Bezug zu diesem Blog-Beitrag?

      Du schreibst zweitens: „Außerdem wird mein Argument untermauert, dass „Sicherheit“ bei Kommunikation kein Selbstzweck ist“. Wer behauptet das? Ich jedenfalls nicht.

      Du schreibst drittens: „dass „Sicherheit“ (…) nur funktioniert, wenn es einigermaßen leicht auch für ungefähr 120 Jahre alte Laien nutzbar ist.“ Du hast recht, je einfacher die verschiedenen Verschlüsselungstechnologien zu nutzen sind, umso besser für uns alle. Schon jetzt kann man aber mit ein klein wenig Interesse und Sorgfalt sehr, sehr viel tun – ganz ohne technische Spezialkenntnisse. Zumindest von Menschen in wichtigen Positionen erwarte ich genau das. Hier hat Clintons Team auf ganzer Linie versagt – was ich sehr bedauere.

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