Schreiben wie ein Profi

Lange Texte werden nicht wie ein Pullover gestrickt, sondern eher wie ein Puzzle gelegt. Plume Creator ist ein neues Programm, das diese Art des Schreibens unterstützt.

Geschätzte Lesezeit für diesen Artikel: 4 Minuten

Wer schon einmal einen längeren Aufsatz, eine Abschlussarbeit oder sogar ein Buch geschrieben hat, weiß, dass solche langen Texte anders entstehen als kurze (z. B. E-Mails). Lange Texte werden fast nie von A bis Z „gestrickt“ oder „heruntergeschrieben“, sondern wachsen eher allmählich in Form von einzelnen Puzzleteilen oder Textmodulen heran. Erst ganz am Ende werden sie zu einem Gesamttext zusammengefügt, den die Leser in einem linearen Prozess von vorne bis hinten durchlesen können – wenn sie das möchten. Wir haben es beim Schreiben langer Texte also mit einem modularen Prozess zu tun, der ein lineares Produkt hervorbringt.

Ein Problem liegt nun darin, dass sich die Funktionsweise gängiger Textverarbeitungsprogramme (allen voran Microsoft Word) eher am (linearen) Produkt als am (modularen) Prozess orientiert. Sie lassen sich zwar prinzipiell auch für modulares Arbeiten verwenden, z. B. indem man verschiedene Teildokumente anlegt, die man erst am Ende zusammenfügt. Ihr Design ist aber nicht auf diese Arbeitsweise angelegt.

Hier kommen Schreibprogramme ins Spiel, die systematisch statt auf lineares auf modulares Schreiben setzen. Ein Beispiel dafür ist Scrivener, ein kommerzielles Programm, das aktuell je nach Version 35–45 € kostet – ein sehr angemessener Preis für ein ausgereiftes und wirklich sinnvolles Arbeitswerkzeug (erfahre mehr).

Leider gibt es Scrivener aber nur noch für Windows und Mac. Die Entwicklung der Linux-Version wurde 2015 eingestellt. Damit bleibt die wachsende Gemeinde der Linux-Nutzer außen vor. Das bedauere ich persönlich sehr, denn ich habe früher auf einem Mac viel mit Scrivener gearbeitet. Inzwischen nutze ich aber ausschließlich das Betriebssystem Ubuntu Linux, so dass Scrivener für mich ausfällt und ich eine Alternativlösung brauche.

Plume Creator schließt diese Lücke. Dabei handelt es sich um ein Open Source-Projekt eines französischen Entwicklerteams, das kostenlos für Windows und Linux zur Verfügung steht. Plume Creator ist ein vergleichsweise neues Programm, es kann daher noch nicht die gleiche Bandbreite an Funktionen aufweisen wie Scrivener. Die für modulares Schreiben entscheidenden Grundfunktionen sind jedoch bereits vorhanden und voll funktionsfähig:

  • modularer Aufbau mit einem „Binder“
  • Platz für Notizen und Zusammenfassungen zu jedem Textmodul
  • „Werkbank“ (workbench), die den Bearbeitungsstatus der Teildokumente übersichtlich darstellt
  • Wortzählung und Tagesziele
  • Vollbildfunktion für ablenkungsfreies Schreiben
  • Export in verschiedene Formate (u. a. .html, .odt und .pdf)

Wie bei allen Enwicklungsversionen sind auch bei Plume Creator häufige Backups besonders wichtig, am besten mit Hilfe einer Software, die das automatisch im Hintergrund übernimmt und die dabei mehrere zurückliegende Versionen der wichtigen Daten speichert. Unter Linux hat sich für mich Back in Time bewährt, das ähnlich wie die Time Machine-Funktion des Apple-Betriebssystems funktioniert. Aber auch für Windows gibt es passende Angebote (erfahre mehr zum Thema Datensicherung).

Für einen gelungenen Text spielen viele Faktoren eine Rolle, die auf verschiedenen Ebenen angesiedelt sind. Beispielsweise ist auf der Mikroebene eine ansprechende Typographie zu beachten (erfahre mehr), auf der Mesoebene sind zu lange Sätzen zu vermeiden (erfahre mehr). Bei langen Texten ist dagegen der Textaufbau besonders wichtig, also die Makroebene. Programme wie Plume Creator und Scrivener sind eine große Hilfe, wenn man diese Ebene beim Schreiben langer Texte im Blick behalten will.

Mit welchem Programm schreibst Du lange Texte? Hinterlass einen Kommentar!

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Wie man lange Texte schreibt by Jochen Plikat is licensed under CC BY-NC-ND 4.0
Bildnachweis: Machine Writing by voltamax is licensed under CC0 Public Domain

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