Schreiben im Zen-Modus

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Wie schafft man es, längere Zeit am Stück ohne Ablenkungen zu schreiben? Viele Wissensarbeiter versuchen das Problem mit minimalistischer Software zu lösen. Der Beitrag zeigt, wie sich auch mit gängigen Textverarbeitungsprogrammen im Zen-Modus arbeiten lässt.

Es ist längst eine Binsenweisheit, dass digitale Arbeitsumgebungen zu echten Produktivitätskillern werden können. E-Mail, Chat, soziale Netzwerke, die Weiten des Internet — es bedarf einiger Übung, fokussiert zu arbeiten, ohne sich von diesen unerschöpflichen Quellen der Ablenkung immer wieder aus dem Flow reißen zu lassen. Wenn man dagegen einen Zustand tiefer Konzentration erreichen und auch halten möchte, ist es meiner Erfahrung nach bereits eine große Hilfe, auf seinem Rechner alle Pop-ups, Beeps und Plings konsequent zu deaktivieren. Noch wirksamer ist es, wenn man die Internetverbindung für ein paar Stunden vollständig kappt. Und wer einen Ninja-ähnlichen Fokus erreichen möchte, stellt auch sein Smartphone stumm oder schaltet es ganz aus.

Wenn das erledigt ist, geht von den Oberflächen der meisten Textverarbeitungsprogramme jedoch in der Regel immer noch eine gewisse optische Unruhe aus. Sie stellen nicht einfach eine weißes Blatt Papier dar, sondern sind an den Rändern vollgepackt mit allerhand Buttons und Drop-down-Menüs. Persönlich habe ich es sehr zu schätzen gelernt, auch sie auszublenden, um so an einem entrümpelten Bildschirm zu schreiben. Ich finde es hat sogar einen eigenen ästhetischen Reiz, wenn dabei wirklich nur eine leere Fläche und ein blinkender Cursor zu sehen sind.

Vielen Wissensarbeitern geht es anscheinend ähnlich. Diese Schlussfolgerung liegt zumindest nahe, wenn man den wachsenden Markt für minimalistische Textverarbeitungssoftware betrachtet, so genannte „distraction-free editors“ (eine kommentierte Zusammenstellung auf englisch findet sich z. B. hier). Sie bieten meist ganz bewusst nur einige Grundfunktionen und einen Vollbildmodus, also genau das, was Schreib-Minimalisten suchen. Das kann aber auch zum Nachteil werden — spätestens dann, wenn der fertig geschriebene Text überarbeitet werden soll (Rechtschreibprüfung, Formatierungen, etc.). Oft muss er dafür in ein anderes Programm kopiert werden, was, nun ja, ein wenig umständlich ist.

Erfreulicherweise kann man aber auch mit den gängigen Textverarbeitungsprogrammen im Zen-Modus schreiben. Er ist in der Regel ganz einfach zu aktivieren:

  • Microsoft Word: Ansicht — Fokus
  • Libre Office/Open Office: Ansicht — Ganzer Bildschirm
  • Mac Pages: Darstellung — Vollbild ein (evtl. noch sichtbare Funktionsleisten lassen sich im Darstellungsmenü ausblenden)
  • Scrivener: Ansicht — Redaktionsmodus öffnen

Mit Scrivener lässt sich aber nicht nur sehr bequem zwischen einem minimalistischen Vollbildmodus und der normalen Ansicht wechseln. Das Programm hat noch einige weitere Stärken, die ich schon an anderer Stelle beschrieben habe (lies hier weiter). Eine dort noch nicht erwähnte Funktion dürfte all jene besonders interessieren, die regelmäßig Texte im Internet veröffentlichen (z. B. auf wordpress.com, wo auch dieser Blog beheimatet ist): Unter dem Menüpunkt Bearbeiten — Spezial kopieren lässt sich jeder Text mit einem Klick in die für Webseiten gängige Sprache HTML umwandeln.

Was hältst Du von der Idee, in einer minimalistischen Umgebung zu schreiben? Hinterlass einen Kommentar!

Bildnachweis: winternacht by Leo Grübler on flickr.com (creative commons-Lizenz, bestimmte Rechte vorbehalten: CC BY-ND 2.0)

 

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5 Gedanken zu “Schreiben im Zen-Modus

  1. Richtig minimalistisch schreiben kann man auch, so finde ich, mit einem Wiki oder Blog. Das jedenfalls, wenn es um das Veröffentlichen von Artikeln im Web geht. Die Online-Editoren, finde ich, sind meistens bis auf ganz wenige Formatierungebefehle ziemlich geradeaus und weitere Möglichkeiten, wie das Einbinden von Bildern oder Weiteres sind oft optional und nicht im Weg.

    Die Frage ist ja, „warum schreibt man überhaupt?“ Wenn man für sich selbst Notizen macht, kreativ tätig sein will, Tagebuch schreibt oder Ähnliches, dann ist vielleicht ein Schreiben im Web auch eine vorzuziehende Lösung. Man kommt von überall dran, kann es ggf. jedem zeigen, egal, wo man gerade ist, braucht keine Cloud und kann das ganze sogar noch verlinken, taggen und so weiter. Ich selbst nutze dazu mobiki, ein kleines Wiki, was ich selbst programmiert habe. Aber im Prinzip gibt es wohl eine ganze Menge Software, mit der das auch geht. Ich kann mein Wiki zum Beispiel mit Passwort locken, so dass nur ich ran kann, und habe so nie wieder einen Text nicht mehr dabei.

    Eine sehr schöne andere Lösung ist auch owncloud, da gibt es auch einen eingebauten Texteditor, der aber wirklich nur reinen Text kann. Also keine Links, keine Hervorhebung, keine Überschriften, kein Tagging…

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  2. Ja, die Online-Lösungen sind da in vielen Fällen sicher auch sehr praktisch. Allerdings sind die Daten dann doch in der Cloud, und das in den meisten Fällen vermutlich unverschlüsselt… Außer bei auf Sicherheit spezialisierten Diensten wie z. B. securenotes.net
    Meine persönlichen Notizen mache ich inzwischen in LibreOffice (vgl. die aktuelle Serie „Jenseits von Evernote“ – in Teil 4 wird es darum gehen 😉 ). Texte, die in irgendeiner Form publiziert werden sollen, schreibe ich dagegen in Scrivener. Das hat sich wirklich bestens bewährt, denn es bietet einerseits eine minimalistische Ansicht für das eigentliche Schreiben, andererseits auch viele andere sehr komfortable Funktionen (Fußnoten, Kommentare, Formatierungen, Strukturierung längerer Texte, html-Export, usw. usw.).

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