Datenschutz – Privatsache oder öffentliche Aufgabe?

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Wer seine Daten unverschlüsselt durchs Internet schickt, braucht sich nicht zu wundern, wenn Big Brother mitliest. So könnte man eine Haltung zum Thema Privatsphäre zusammenfassen. Wenn Staaten und Konzerne Datenschutz systematisch aushöhlen, müsse eben jeder angemessen reagieren. Einige Ideen, wie das gehen könnte, finden sich auch in diesem Blog.

Es ist ja auch was dran — wir alle können unsere Daten schon heute besser schützen, indem wir

  • quelloffene Software verwenden (z.B. Firefox)
  • auf verschlüsselte Chat-Programme umsteigen (z.B. Threema oder Surespot)
  • sichere Passwörter nutzen (z.B. mit Hilfe von LastPass)
  • zwei-Schritt-Authentifizierung verwenden
  • bei Cloud-Diensten auf Verschlüsselung setzen (z.B. mit boxcryptor)
  • sicherheitsrelevante Aktualisierungen für Programme und Betriebssysteme umgehend einspielen

Neben diesem technischen, „harten“ Datenschutz ist aber auch jener Datenschutz nicht zu vergessen, die ich provisorisch den „weichen“ nenne. Ich meine damit die Frage, wie viel Information ich über mich selbst und über andere z.B. in soziale Netzwerke wie facebook stelle. Ich wundere mich manchmal, mit welcher Selbstverständlichkeit auf diesem Weg beispielsweise Bilder von Kindern verbreitet werden. Bei allem Elternstolz: Vielleicht finden diese es ja in ein paar Jahren überhaupt nicht witzig, wenn sie herausfinden, dass sie schon von aller Welt mit, sagen wir, nutellaverschmiertem Gesicht gesehen wurden – und das ist ein sehr harmloses Beispiel.

In einer perfekten Welt würden wir alle fleißig „harten“ und „weichen“ Datenschutz betreiben, die genannten Ideen und Prinzipien umsetzen und so unseren Teil dazu beitragen, dass die Begriffe „privat“ und „vertraulich“ in digitalen Umgebungen nicht endgültig zu Treppenwitzen verkommen. Aber, ach, der Mensch, er ist nun mal nicht so. Und selbst wer alle oben genannten Ideen und noch viel mehr umsetzt, produziert weiterhin massenhaft digitale Informationen über sich und andere. Cloud-Kalenderdienste, ec- und Kreditkarten, Bahn- und Flugtickets, online-Hotelbuchungen, Patientenkarten, Telefonanrufe, etc. – alles hinterlässt Datenspuren, die zu einem sehr aussagekräftigen Profil zusammengesetzt werden können. Man hätte also allen Grund, sich trotz aller Umsicht ziemlich gläsern zu fühlen. Und wenn erst die allgemeine Dauer-Durchleuchtung zum Standard geworden ist, wird man schon verdächtigt werden, wenn man sich ihr mit seinen kleinen Möglichkeiten (s.o.) widersetzt. „Hose runter, oder hast Du etwas zu verbergen?“ könnte schnell zum allgemeinen Prinzip avancieren.

Aus diesem Grund wird zu Recht immer wieder daran erinnert, dass Datenschutz eben nicht endgültig zur Privatangelegenheit werden sollte — kürzlich unter anderem von Juli Zeh, Shoshana Zuboff und natürlich dem unermüdlichen Sascha Lobo. Man darf gespannt sein, ob die EU weiter zusieht, wie die großen Spieler der digitalen Revolution Fakten schaffen, bei denen sich jedem Datenschützer die Fußnägel aufrollen. Und ob nationale Regierungen es endlich wieder als ihren Auftrag verstehen, Grundrechte durchzusetzen, anstatt weiterhin den Schulterschluss mit den kommerziellen Datensammlern zu suchen.

Auch wenn die Ergebnisse der letzten Bundestagswahl in Bezug auf den Schutz der Privatsphäre sehr, sehr pessimistisch stimmen: Vielleicht wird der 25. Mai ja zeigen, dass man mit dem Thema Datenschutz in Europa wieder Wahlen gewinnen kann.

Ist Datenschutz für Dich eher Aufgabe des Einzelnen oder der Politik?

Bildnachweis: Computer Security – Protect Data – Computers by Perspecsys Photos on flickr.com (creative commons-Lizenz, bestimmte Rechte vorbehalten: CC BY-SA 2.0). Homepage: http://perspecsys.com/

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